Events·16 Sep 2026
FULDA, DEUTSCHLAND (18. September 2026)
“Das Beschaffungswesen bei Mehler Systems entwickelt sich von einer klassischen Einkaufsfunktion zum Architekten globaler Partnernetzwerke und stabiler Wertschöpfungsketten.”
So beschreibt Andreas Kiel, Group Director Procurement bei Mehler Systems, die sich verändernde Rolle des Beschaffungswesens.
Traditionell mit dem Einkauf von Materialien und der Aushandlung von Verträgen verbunden, hat sich das Beschaffungswesen zu einem strategischen Potential entwickelt, Innovation zu gestalten, Stabilität zu stärken und langfristige Wettbewerbsfähigkeit zu fördern. Da Verteidigungsprogramme technologisch fortschrittlicher werden und geopolitische Unsicherheiten die globalen Lieferketten weiter verändern, verbindet das Beschaffungswesen nun Technologien, Fertigungskapazitäten, Lieferanten-Expertise und regionales Marktwissen zu stabilen, globalen Wertschöpfungsketten.
Im aktuellen Interview erklärt Kiel, warum es beim Beschaffungswesen nicht mehr nur um die Sicherung von Materialien geht, sondern um den Aufbau vertrauenswürdiger Partnerschaften und Lieferanten-Ökosystemen, die Innovationen ermöglichen, Risiken reduzieren und nachhaltiges Wachstum der Mehler Systems Group unterstützen.
Moderne Verteidigungslösungen hängen von weit mehr ab als von den Unternehmen, die fertige Bauteile liefern. Hinter jeder ballistischen Weste, taktischen Bekleidung, Lösungen zur Lastentrage oder jedem Plattformschutzsystem steckt ein Netzwerk von spezialisierten Materialherstellern, Textilherstellern, Technologieanbietern und Fertigungspartnern, das über mehrere Länder und Zuliefererstufen verteilt ist.
Die Verwaltung dieser Netze erfordert, dass die Beschaffung über kommerzielle Verhandlungen hinausgeht. Erfolg hängt von einer Balance zwischen Innovation, Qualität, Stabilität, Verfügbarkeit und langfristiger Versorgungssicherheit bei gleichzeitiger Kenntnis regionaler Marktanforderungen, kultureller Unterschiede und Lieferantenfähigkeiten ab. Kiel erklärt:
"Ziel ist nicht der niedrigste Einkaufspreis, sondern der höchste langfristige Nutzen für unsere Kunden, unsere Lieferanten und die Mehler Systems Group."
Diese langfristige Perspektive spiegelt sich in der Philosophie des Beschaffungswesen bei Mehler Systems wider: “Global handeln – lokal denken.” Das bedeutet, globale Strategien, Standards und Partnerschaften zu entwickeln und dabei mit lokalem Marktwissen, kulturellem Verständnis und enger Zusammenarbeit mit regionalen Partnern zu agieren.
Diese Verantwortung ist insbesondere im Verteidigungssektor von Bedeutung, wo Beschaffungsentscheidungen sich unmittelbar auf die Einsatzbereitschaft und die Sicherheit der Verbraucher auswirken können. Lange Produktlebenszyklen, spezielle Materialien, Exportkontrollen, Sicherheitsbestimmungen und immer komplexer werdende geopolitische Rahmenbedingungen erfordern ein Beschaffungswesen, das unmittelbare Programmanforderungen mit langfristiger Stabilität in Einklang bringt.
Innovation geschieht selten im Alleingang. Während Engineering-Teams Ideen in Produkte umwandeln, entstehen viele der Technologien, die zukünftiges Potential gestalten, andernorts. Zulieferer entwickeln kontinuierlich neue Materialien, Fertigungsprozesse und Produktionstechnologien, die beeinflussen, wie Produkte entworfen, hergestellt und skaliert werden können.
Das Beschaffungswesen hilft dabei, diese externen Möglichkeiten mit internen Entwicklungsteams zu verbinden, um zukunftsträchtige Technologien frühzeitig zu erkennen und zu prüfen, ob sie zuverlässig industrialisiert und über den gesamten Produktlebenszyklus unterstützt werden können.
Kiel erklärt: “Viele technologische Fortschritte entstehen im Lieferantennetzwerk. Durch die frühzeitige Einbeziehung des Beschaffungswesens können wir neue Technologien erkennen, die Bereitschaft der Lieferkette bewerten, Industrialisierungsrisiken einschätzen und Entwicklungszeitpläne beschleunigen.”
Eine frühzeitige Einbindung der Lieferanten schafft zudem Transparenz über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg.
Statt sich ausschließlich auf Direktanbieter zu konzentrieren, analysiert das Beschaffungswesen zunehmend sekundäre und tertiäre Zuliefererstrukturen, um zu verstehen, woher kritische Materialien, Technologien und Fertigungskapazitäten tatsächlich stammen. So lassen sich Engpässe erkennen, Abhängigkeiten aus einer einzigen Versorgungsquelle reduzieren und mögliche Störungen antizipieren, bevor sie sich auf die Produktion auswirken.
In einer Branche, in der Lieferketten von Exportkontrollen, sich ändernden industriellen Kapazitäten und geopolitischen Entwicklungen beeinflusst werden, ist das Verständnis des gesamten Produktionsnetzwerks zu einem bedeutenden Wettbewerbsvorteil geworden.
Kiel fasst zusammen: “Das Beschaffungswesen macht Konzepte zur industriellen Realität.” Seine Rolle geht über die Beschaffung von Komponenten hinaus; vielmehr trägt es dazu bei, dass aus innovativen Ideen skalierbare, zuverlässige Produktionslösungen werden, die von stabilen globalen Liefernetzwerken unterstützt werden.
Da die Zusammenarbeit bei Mehler Systems weiter ausgebaut wird, verbindet das Beschaffungswesen zunehmend Kompetenzen aus allen Marken der Gruppe.
Die Bündelung von Körperpanzerung, Plattformschutz, taktischer Bekleidung und Lösungen zur Lastentrage in einer gemeinsamen Beschaffungsstrategie ermöglicht es dem Unternehmen, Lieferantenwissen zu konsolidieren, Beziehungen zu stärken, Marktinformationen auszutauschen und Beschaffungskapazitäten über mehrere Produktbereiche hinweg effektiver zu nutzen.
Dadurch wird auch die Zusammenarbeit zwischen Engineering-Teams, Fertigungspartnern, Lieferanten und Kunden gestärkt, indem Technologien, Produktionskapazitäten und Programmanforderungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette aufeinander abgestimmt werden.
"Einer der größten Vorteile eines integrierten Konzerns ist die Fähigkeit, globale Größenordnung mit lokalem Know-how zu verbinden."
Diese Philosophie wird immer wichtiger, da sich die globalen Lieferketten weiterentwickeln.
Innovationen, spezialisierte Fertigungskapazitäten und strategische Lieferanten tauchen zunehmend außerhalb der traditionellen europäischen Sourcing-Landschaft auf, während Teile der textilen Wertschöpfungskette Europas weiterhin von einer Konsolidierung und einem Rückgang der industriellen Kapazitäten betroffen sind. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, muss das Beschaffungswesen also dort präsent sein, wo sich Zukunftstechnologien, Lieferanten-Know-how und Fertigungskapazitäten entwickeln.
Dieser Gedanke war einer der Schlüsselfaktoren für die Gründung von Mehler Systems Asia.
Mehler Systems Asia fungiert nicht nur als regionale Sourcing-Organisation, sondern stärkt die Fähigkeit des Beschaffungswesens, engere Beziehungen zu Lieferanten aufzubauen, Entwicklungszyklen zu beschleunigen, die Transparenz über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg zu verbessern und Marktentwicklungen frühzeitig zu erkennen.
Regionale Beschaffungsteams sorgen für mehr als nur geografische Nähe. Ihr Verständnis lokaler Geschäftspraktiken, kultureller Dynamik, regulatorischer Rahmenbedingungen und Lieferanten-Ökosystemen ermöglicht eine schnellere Entscheidungsfindung und stellt sicher, dass Sourcing-Aktivitäten weiterhin den globalen Standards von Mehler Systems in Bezug auf Qualität, Regelkonformität, Nachhaltigkeit und Leistung entsprechen.
Mehler Systems Asia stellt in vielerlei Hinsicht die nächste Evolutionsstufe des Beschaffungswesens dar – vom Lieferantenmanagement bis hin zum Aufbau globaler Ökosysteme vertrauenswürdiger Partner, die Innovation, Stabilität und langfristige Wettbewerbsfähigkeit unterstützen.
Die strategische Rolle des Beschaffungswesens wird noch deutlicher, wenn es um die Unterstützung wichtiger Verteidigungsprogramme geht.
Während jedes Programm das gleiche Ziel verfolgt – die Bereitstellung zuverlässiger Funktionalität für Kunden –, kann der Weg zum Erreichen dieses Ziels sehr unterschiedlich sein. Die Beschaffungsstrategien müssen sich daher an die Erfordernisse des Programms anpassen und nicht einem einheitlichen Modell folgen.
Langfristige Programme wie MOBAST, eines der größten Programme in der Geschichte von Mehler Protection, verlangen vor allem Stabilität. Um Qualität und Produktion über viele Jahre hinweg konstant zu erhalten sind stabile Lieferantennetzwerke, langfristige Verträge, proaktive Kapazitätsplanung und die Fähigkeit, Veränderungen der Marktbedingungen zu antizipieren, bevor sie sich auf die Lieferung auswirken, vonnöten.
Erfolg hängt auch von den Menschen ab. Laut Kiel verbinden erfahrene, strategische Einkäufer kaufmännisches Know-how mit technischem Verständnis und tiefem Wissen über Fertigungsprozesse, Lieferantenkompetenz und Qualifizierungsanforderungen. Ihre langjährige Fähigkeit, die Kundenerwartungen mit den Fähigkeiten von Lieferanten in Einklang zu bringen, machen sie zu vertrauenswürdigen Partnern im gesamten Programmlebenszyklus.
Kiel erklärt: “Erfolg basiert nicht auf kurzfristigen Transaktionen, sondern auf vertrauensvollen Beziehungen, die über viele Jahre aufgebaut und gefestigt werden.”
Diese Beziehungen schaffen Transparenz, ermöglichen eine gemeinsame Planung und bieten die notwendige Stabilität, um kritische Verteidigungsprogramme während ihres gesamten Lebenszyklus zu unterstützen.
Andere Programme erfordern einen anderen Ansatz.
Das Ukraine-Programm, eine der ersten großen Initiativen, die Produkte verschiedener Marken von Mehler Systems zusammenführt, hat die Stärke des One-Mehler-Ansatzes unter Beweis gestellt. Das Beschaffungswesen koordinierte Lieferanten, Produktionskapazitäten, Materialallokation und Logistik über mehrere Geschäftsbereiche hinweg und reagierte dabei unter anspruchsvollen Zeitvorgaben.
Das Ziel ist es, nicht nur auf langfristige Effizienz zu optimieren, sondern Geschwindigkeit, Transparenz und enge Zusammenarbeit mit stabilen Lieferantenbeziehungen kombinieren, um Kundenanforderungen ohne Qualitätseinbußen zu erfüllen.
Obwohl jedes Programm eine andere Beschaffungsstrategie erfordert, stützen sich alle auf das gleiche Fundament: vertrauenswürdige Partnerschaften, stabile Lieferanten-Ökosysteme und die Fähigkeit, globale Kapazitäten mit lokaler Umsetzung zu Verbinden.
Im Beschaffungswesen beginnt Qualität lange vor der Produktionslinie.
Die Lieferantenqualifizierung geht über technische Kapazitäten und Zertifizierungen hinaus. Fertigungsleistung, Prozessstabilität, kontinuierliche Verbesserung und langfristige Zuverlässigkeit beeinflussen, ob ein Lieferant anspruchsvolle Verteidigungsprogramme über den gesamten Lebenszyklus hinweg unterstützen kann.
In zunehmendem Maße hängt Qualität jedoch davon ab, dass man weit mehr versteht als Direktlieferanten.
Materialien, spezialisierte Fertigungsprozesse und kritische Technologien entstehen oft mehrere Ebenen tiefer im Produktionsnetzwerk. Eine verbesserte Transparenz in allen Lieferantenstufen ermöglicht es den Beschaffungsteams, Schwachstellen frühzeitig zu erkennen, die Geschäftskontinuität zu stärken und sicherzustellen, dass Qualitätsstandards über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg konsistent eingehalten werden. Wie es Kiel formuliert: “Qualität ist nicht verhandelbar.”
Dieses Engagement wird durch langfristige Lieferantenbeziehungen untermauert, die auf Transparenz, Vertrauen und geteilter Verantwortung basieren. Anstatt einfach Lieferanten zu befähigen, entwickelt das Beschaffungswesen strategische Partner, die über viele Jahre zum Erfolg der Mission und zum Vertrauen der Kunden beitragen.
"Geschwindigkeit ohne Qualität schafft Risiken, Qualität ohne Verfügbarkeit schafft betriebliche Herausforderungen. Das Ziel ist es daher, alle drei Elemente gleichzeitig zu verwirklichen."
Für dieses Gleichgewicht bedarf es eines proaktiven Risikomanagements, diversifizierter Beschaffungsstrategien, Rahmenverträgen und vertrauenswürdiger Lieferantenpartnerschaften. Ebenso wichtig ist Transparenz während der gesamten Wertschöpfungskette.
Das Verständnis von Produktionstechnologien, Fertigungskapazitäten, Materialabhängigkeiten und Lieferantenverbindungen ermöglicht es den Beschaffungsteams, Engpässe zu erkennen, bevor sie sich auf Programme auswirken, schneller auf Marktveränderungen zu reagieren und unter Druck fundiertere Entscheidungen zu treffen.
Regionale Sourcing-Kapazitäten stärken diese Reaktionsfähigkeit weiter. Die Nähe zu Lieferanten und Innovationsmärkten ermöglicht einen früheren Zugang zu Marktinformationen und verbessert die Sichtbarkeit in globalen Versorgungsnetzen.
Das Beschaffungswesen hat sich in den letzten Jahren grundlegend verändert.
Geopolitische Unsicherheiten, Exportkontrollen, Störungen der Lieferkette und veränderte industrielle Kapazitäten haben gezeigt, dass Stabilität heute genauso wichtig ist wie Kosten, Qualität und Lieferbereitschaft.
Für Mehler Systems ist es daher umso wichtiger, komplette Lieferanten-Ökosysteme zu verstehen, Abhängigkeiten aus einer Bezugsquelle zu reduzieren und Sourcing-Strategien zu entwickeln, die auch in unbeständigen Marktumfeldern Kontinuität bewahren.
Auch Lieferantenbeziehungen haben sich weiterentwickelt.
Wo das Beschaffungswesen früher primär transaktional war, setzt es zunehmend auf den Aufbau langfristiger Partnerschaften, die auf Vertrauen, Transparenz und gemeinsamem Wachstum basieren. Diese Beziehungen stärken nicht nur die Stabilität, sondern ermöglichen auch einen früheren Zugang zu neuen Technologien, spezialisierten Fertigungskapazitäten und zukünftigen Innovationsmöglichkeiten.
Mit Blick auf die Zukunft geht Kiel davon aus, dass sich das Beschaffungswesen von einer Transaktionsfunktion zu einem strategischen Schlüsselfaktor für den Geschäftserfolg weiterentwickeln wird. Seine Rolle wird nicht mehr nur durch die Verwaltung von Lieferanten oder die Sicherung von Materialien definiert, sondern durch den Aufbau vertrauenswürdiger globaler Ökosysteme, die Technologien, Fertigungskapazitäten, Lieferantenkompetenz und regionales Marktwissen zu stabilen Wertschöpfungsketten verbinden.
"Letztendlich wird der Erfolg bei der Beschaffung von Verteidigungsgütern nicht durch einzelne Transaktionen definiert, sondern durch die Fähigkeit, globale Liefernetze mit lokaler Markt- und Lieferantenkompetenz zu verbinden, um sicherzustellen, dass kritische Kapazitäten verfügbar, skalierbar und stabil bleiben, wenn sie am meisten gebraucht werden."